26 05 16 Peter Rostan

Shownotes

Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen zu Tübinger Telefonandacht und danke, dass Sie mir zuhören.

00:00:05: Womit habe ich das verdient?

00:00:07: Ein solcher Satz rutscht uns Menschen immer wieder raus wenn plötzlich alles kippt Wenn der Arzt etwas sagt worum mit man nicht gerechnet hat oder wenn gar eine Familie er auseinander bricht Wenn ein Mensch stirbt der eigentlich noch gar nicht dran gewesen wäre Oder wenn man sich ehrlich fragt Ich hab doch eigentlich niemanden was getan.

00:00:29: Also warum jetzt das?

00:00:31: Genau da sind wir ganz nahe bei Hierpf, jenem geheimnisvollen Menschen in Israel dem ein ganzes Buch gewidmet wurde.

00:00:40: In der Bibel.

00:00:42: Dieser Hierb war ja kein Hallodrian, kein Betrüger, keiner, der leichtfertig gelebt hätte.

00:00:47: im Gegenteil er kümmerte sich um andere hat Gott ernst genommen, er hat versucht ordentlich und verantwortlich zu leben.

00:00:56: Und gerade ihn trifft.

00:00:57: ein Unglück nach dem anderen Bekam eine Hieropsbotschaft nach der nächsten.

00:01:03: Dieser Hierop hatte Freunde, die sich zu ihm setzten – großartig!

00:01:07: Sieben Tage lang haben sie geschwiegen.

00:01:09: und wenn sie nur weitergeschwiegen hätten denn dann machte erster den Mund auf und wollte unbedingt eine Erklärung finden.

00:01:16: Irgendwo muss doch ein Fehler gewesen sein, irgendwas wird hieropptoch wohl falsch gemacht haben, denn sonst würde Gott doch nicht so

00:01:23: handeln.".

00:01:24: Und so geht es dann weiter, von einem Freund zum nächsten.

00:01:27: Jeder versucht irgendwas zu konstruieren womit man dann Gott besser verstehen könne und ich finde das Buch hier wird darin erstaunlich modern kommt uns ganz dicht und nahe denn bis heute reagieren wir doch ganz ähnlich.

00:01:43: wenn jemand leidet dann suchen wir eben nach Gründen manchmal sogar nach Schuld Vielleicht nicht offen ausgesprochen, aber unterschwellig.

00:01:53: Irgendwoher muss es ja

00:01:54: wohlkommen.".

00:01:57: Job aber sagt in diesem Gespräch irgendwann halt nein.

00:02:02: Hört auf so mit mir zu reden.

00:02:04: ich finde nichts!

00:02:05: Ich verstehe Gott nicht mehr.

00:02:09: und dann mitten in dieser Verzweiflung spricht er diesen Satz der das heutige Losungswort ist.

00:02:17: und blieb unversehrt.

00:02:24: Das klingt schon ganz schön düster, fast wie eine Kapitulation!

00:02:28: Und ehrlich gesagt ein bisschen ist es das ja auch.

00:02:31: dieser hierob merkte Gott ist größer als wir viel größer, größer also unsere Gedanken, unser Vorstellungskraft.

00:02:41: Ich kann diesen Gott nicht vor Gericht zitieren.

00:02:44: ich kann nicht verlangen dass er mir alles erklärt.

00:02:49: Aber interessant und spannend ist, Hierb hört trotzdem nicht auf mit Gott zu reden.

00:02:55: Er redet eben nicht nur über Gott sondern er redet mit ihm.

00:03:00: Wendet sich nicht einfach ab und er redete mit ihm indem er Gott fast schon anschreit.

00:03:06: Er klagt!

00:03:07: Er diskutiert!

00:03:08: Er ringt mit Gott Und ich finde darin liegt etwas sehr Tröstliches.

00:03:15: Glaube bedeutet eben nicht dass wir alles verstehen müssen.

00:03:19: Glaube bedeutet auch nicht, dass wir als Christen immer sofort friedlich nicken und sagen – ach Gott wird schon wissen.

00:03:25: Warum?

00:03:27: Nein!

00:03:28: Die Bibel ist voller Menschen die Gott ihre Fragen entgegenschleudern.

00:03:32: Wir finden das auch in den Psalmen.

00:03:34: Warum?!

00:03:35: Wie lange noch?

00:03:36: Wo bist du?

00:03:38: Und offenbar hält Gott das aus.

00:03:41: Hier bekommt am Ende auch nicht die große Erklärung für sein Leid aber er entdeckt neu Mein Gott hat mich nicht verlassen, er hört mich noch immer.

00:03:53: Selbst meine Klage geht nichts ins Leere und vielleicht ist das manchmal schon mehr als wir erahnen dass da einer bleibt wenn alles andere ins Wanken gerät Einer dem ich auch meine Wut, meine Enttäuschung und meine Angst hinwerfen darf.

00:04:12: Und noch was fällt mir auf?

00:04:15: Die Freunde von hier, ob die immer alles erklären wollten, sie liegen am Ende ziemlich daneben.

00:04:21: Gott gibt ihren so einfachen Antworten eben nicht recht und vielleicht sollten auch wir vorsichtig sein mit schnellen Deutungen!

00:04:31: Nicht jedes Leid ist Strafe, nicht jede Krise hat einen klaren Grund Und längst nicht immer geht es darum dass wir dann etwas davon lernen können also durch die Krise geläutert werden oder so.

00:04:44: Nein Manches bleibt dunkel und schwer verständlich in unserem Leben, aber mitten darin gilt Gott bleibt ansprechbar.

00:04:56: Der so mächtige und unverständliche Gott in seiner Weisheit ist eben nicht nur fern und groß sondern zugleich einer der unser Gebet hört – auch das verzweifelte Gebet!

00:05:09: Ja, auch das halbe Gebet... oder das Gebet, dass nur aus einem einzigen Wort besteht.

00:05:17: Warum?

00:05:19: Und manchmal trägt genau das einen Menschen durch schwere Zeiten hindurch – nicht weil plötzlich jetzt alles erklärt wäre sondern weil er merkt ich bin mit meinem Leid nicht allein!

00:05:31: Ich wünsche ihnen Menschen an ihrer Seite die nicht alles besser wissen müssen und ich wünsche Ihnen einen Glauben der auch dann noch beten kann wenn die Antworten fehlen.

00:05:43: Mit herzlichem Gruß aus Gomeringen, Ihr Pfarrer Peter Rostahn.

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