26 06 20 Peter Rostan

Shownotes

Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.

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00:00:00: Ich grüße Sie auch an diesem Samstag sehr herzlich zur Tübinger Telefonantacht, der heutige Losungsferes steht im Psalm seventy-fers dreiundzwanzig.

00:00:10: Meine Lippen und meine Seele die Du erlöst hast sollen fröhlich sein und Dir lob singen!

00:00:18: Ein kurzer Fers mit einem erstaunlich starken Inhalt denn der Psalmbeter spricht hier von seinen Lippem und seiner Seele.

00:00:26: Eine typisch biblische Art zu reden.

00:00:29: Man nennt das Pars prototor, ein Teil steht für das Ganze.

00:00:34: Wir kennen das auch aus unserer Alltagssprache.

00:00:36: Wenn jemand sagt da sind fleißige Hände am Werk meinte er nicht nur die Hände sondern die Menschen und ihre Arbeit.

00:00:43: Und wenn von den Füßen die Rede ist die auf Gottes Wegen gehen dann geht es ja nicht bloß um Füße Sondern um den ganzen Lebensweg eines Menschen.

00:00:53: Und so ist es auch hier.

00:00:55: Meine Lippen Das sind natürlich die Worte, die wir sprechen.

00:01:00: Vielleicht auch die Lieder, die we singen.

00:01:03: Aber nicht nur die großen Reden und Ansprachen.

00:01:06: zu den Lippen gehören auch die kleinen Bemerkungen des Alltags – das was wir am Frühstückstisch sagen!

00:01:13: Die Worte mit denen wir einem anderen begegnen.

00:01:16: Das Lob, dass wir aussprechen aber auch die Kritik.

00:01:20: Das Freundliche ebenso wie das Verletzende sogar das, was wir nur leise vor uns hinmummeln oder einem anderen zuflüstern.

00:01:31: Und übrigens reden Sie eigentlich am Frühstückstisch miteinander?

00:01:36: Oder schweigt nur jeder vor sich hin und schaut in die Zeitung?

00:01:40: Vielleicht ist dieses Psalm-Wort auch ein Anders darüber nachzudenken, was unsere Lippen denn tun!

00:01:47: Und dann spricht der Psalme auch von der Seele.

00:01:50: Für uns klingt das oft sehr geistlich oder philosophisch aber im Hebräischen ist das Wort für Seele viel bodenständiger.

00:01:58: Das Wort neffig kann nämlich auch Hals oder Kehle bedeuten, denn es beschreibt den Menschen in seiner Bedürftigkeit.

00:02:06: In seinem angewiesen Sein.

00:02:09: und deshalb heißt es im einem anderen Zahlen wie der Hirsch lächzt nach frischen Wasser so schreit meine Seele zu dir oh Gott!

00:02:18: Da geht das um den trockenen Hals eines durstigen Tieres, um den brennenden Wunsch nach Wasser.

00:02:23: und genau dieses Bild wird dann auf den Menschen übertragen.

00:02:28: Man kann es auch so sagen, die Seele ist nach biblischen Verständnis der Teil in uns.

00:02:34: Der etwas braucht, der sich sehnt, der nicht aus sich selbst leben kann und auf Hilfe angewiesen ist.

00:02:41: Und ich meine damit auf Liebe, auf Trost – auch auf Vergebung und Hoffnung!

00:02:47: Der Psalmbeter sagt also «Nicht nur meine Worte sollen Gott loben sondern auch meine Bedürftigkeit, meine Sehnsucht, mein Durst nach Leben.».

00:02:58: soll von Gott erfüllt werden.

00:03:02: Das passt übrigens wunderbar zum ganzen Psalm seventy-one.

00:03:06: Dort spricht ein Mensch, der nicht mehr jung ist, mehrfach ist von seinem Alter dort die Rede, erkennt Schwäche, Bedrängnis, weiß dass die eigenen Kräfte nachlassen und doch zieht sich ein Gedanke durch den ganzen Psalm.

00:03:22: Gott hat mich mein ganzes Leben begleitet!

00:03:25: Von Jugend auf warst du meine Zuversicht", heißt es dort Und deshalb werde ich auch jetzt nicht aufhören, auf dich zu hoffen.

00:03:35: Das ist wohl auch das Geheimnis unseres Ferses, unseres Losungswortes.

00:03:41: Dass unsere Lippen und unsere Seele fröhlich werden bedeutet ja nicht dass jetzt alle Probleme verschwinden!

00:03:48: Der Psalmbeter hat seine Schwierigkeiten nicht einfach hinter sich gelassen aber er hat gelernt seine Hoffnung an der richtigen Stelle festzumachen.

00:03:59: Meine Lippe also meine Reden und meine Seele, also meine Sehnsucht und mein Angewiesensein – beides soll von Gottes Gegenwart geprägt sein.

00:04:11: Das was ich sage und das was ich brauche, dass was andere von mir hören und das, was tief in meinem Herzen verborgen liegt.

00:04:22: Alles darf sich auf Gott ausrichten!

00:04:25: Alles darf von seinem Trost, von seiner Hilfe und seiner Treue erfüllt werden.

00:04:32: Und vielleicht beginnt das manchmal schon mit einem kleinen Dank, mit einem kurzen Gebet.

00:04:37: Mit einem Liedfers der uns durch den Tag begleitet.

00:04:41: Dann werden die Lippen und die Seele fröhlich Nicht weil das Leben immer leicht wäre aber weil Gott da ist.

00:04:51: Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag Ihr Peter Rostan aus Gomeringen.

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