26 08 01 Peter Rostan

Shownotes

Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen bei der Tübinger Telefonandacht.

00:00:02: Im Losungsbuch steht heute ein Pferd aus fünften Mose fünf, du sollst nicht begehren deines nächsten Hauses noch alles was sein ist.

00:00:12: Erinnern Sie sich noch an Ihren Konfermannenunterricht?

00:00:15: Da haben wir dieses Gebot meist so gelernt!

00:00:17: Du solltest nicht begären Deines Nächsten Frau.

00:00:20: Du sollest nicht Begehren Deines Nägsten Haus.

00:00:23: Acker, Knecht, Markt, Rind, Esel... Noch Alles Was Sein Ist.

00:00:29: Nun, ich muss gestehen diese Aufzählung ist mir damals nicht so richtig reingegangen.

00:00:34: Nicht nur deshalb weil sie so lang ist natürlich auch weil sie soweit weg ist von unserer Lebenswelt.

00:00:41: ehrlich gesagt habe ich noch nie den Esel meines nächsten begehrt oder war neidisch auf jemanden der eine Kuh neben dran im Stall stehen hatte.

00:00:50: das ist einfach nicht mehr unsere Welt.

00:00:53: aber eines finde ich bemerkenswert Damals in diesem so alten Text war es offenbar nötig, eine lange Liste aufzuzählen.

00:01:02: Damit die Menschen über dieses Gebot nicht einfach hinweggehen – Es sollte ein wenig sperrig sein!

00:01:08: Und in dieser Liste steckt zugleich eine Dynamik.

00:01:11: sie lässt sich beliebig fortsetzen.

00:01:14: Wir würden heute vielleicht sagen du sollst nicht das Auto deines Nachbarn begehren oder seine schöne Sonnenterrasse oder die Fernreise die er sich leisten kann Den Beruf den er hat, vielleicht in einer Branche die deutlich besser bezahlt wird als die eigene.

00:01:30: Und dann natürlich das Thema schlechthin!

00:01:33: Du sollst nicht begehren den Menschen an seiner Seite – wie viele blicken neidvoll auf den Partner oder die Partnerinnen eines anderen?

00:01:44: Ja und genau darum geht es um vielleicht einen der zerstörerischsten Antriebe, der in uns Menschen steckt… den Neid.

00:01:53: Vieles, was in unserem Zusammenleben schiefläuft hat hier seine Wurzel.

00:01:58: Nicht nur darin dass wir unzufrieden sind das wäre schon schlimm genug sondern dass wir dem anderen sein Glück missgönnen.

00:02:07: Natürlich gibt es auch eine Form von Reichtum die geradezu obszön wirkt.

00:02:12: Darüber darf man sich durchaus ärgern Auch wenn daraus nicht gleich neid werden muss vor allem dann Wenn manche Superreiche vergessen haben, dass mit Eigentum auch Verantwortung verbunden ist.

00:02:24: Wer viel besitzt hat auch einen Auftrag.

00:02:27: Jesus sagt nicht umsonst an anderer Stelle wem viel gegeben ist bei dem wird man viel suchen.

00:02:34: Aber was hilft eigentlich gegen den Neid?

00:02:38: Ein bloßes Verbot greift nicht tief genug!

00:02:42: Wer kann schon seine ersten Gefühle einfach abstellen?

00:02:45: Wer ist Herr über seine Empfindungen, ich kann mit dem Kopf vielleicht verstehen dass sich nicht neidisch sein möchte und trotzdem grummelt es in mir wenn der andere etwas hat oder geschenkt bekommt was ich selbst gerne hätte.

00:02:59: Ich glaube die Antwort liegt in einer anderen Grundhaltung In dem Vertrauen das ich gar nicht auf der Verliererseite des Lebens stehe sondern auf der Seite Gottes.

00:03:11: Jesus sagte einmal Damit sie das Leben haben und volle Genüge.

00:03:18: Und damit meint er nicht, dass wir von nun an im Schlaraffenland leben – und es keinen Grund mehr gibt auf andere zu schauen!

00:03:25: Ich denke vielmehr, wir dürfen erfüllt sein von den wirklich großen Dingen die alles andere in den Schatten stellen.

00:03:34: Paulus nennt Sie im ersten Korintherbrief Glaube Hoffnung und Liebe.

00:03:40: Der Glaube ist das Vertrauen, dass ich zu Gott gehöre und er es gut mit mir macht.

00:03:46: Und die Liebe ist der Blick auf den anderen – ein Blick, der nicht mehr vom Eigeninteresse bestimmt ist sondern sich ehrlich über dessen Glück freuen kann.

00:03:55: Das ist ein echter Perspektivenwechsel!

00:03:59: Und die Hoffnung schenkt einem innere Großzügigkeit denn sie weiß, das Beste kommt doch noch.

00:04:07: Wie klein erscheinen da viele unserer Neidmomente im Vergleich zudem Was Gott uns einmal schenken wird.

00:04:16: Ja, vielleicht hilft dieser Gedanke zumindest ein wenig, jenem alten Gebot gerecht zu werden.

00:04:24: Du sollst nicht begehren was deinem Nächsten gehört.

00:04:28: Sei also nicht neidisch!

00:04:30: Mit herzlichen Gruß von jemanden der den Neid leider auch nicht ganz abstellen kann – Ihr Peter Rostern.

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