26 07 29 Hildegard Renovanz-Grützmacher
Shownotes
Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.
Transkript anzeigen
00:00:01: Seien Sie herzlich willkommen.
00:00:03: zur Twibbinger Telefonandacht.
00:00:05: Ich bin Hilde Gardrinovenskutzmacher Pfarrerin im Ruhestand aus Gummaringen.
00:00:11: Vor Kurzem sah ich auf Arte einen Western mit John Wayne und James Stewart aus dem Jahr nineteenhundertzeigundsechzig.
00:00:20: In einer Liebespaar Szene fängt die Geliebte an zu weinen, weil ihr Geliefter gespielt von James Stuart Fortmus.
00:00:30: Er nimmt sie in den Arm küst sie und sagt, nicht weinen.
00:00:35: Der Appell – Nicht weinen – nützt nicht nur im Film nichts, er nutzt auch im Leben nichts!
00:00:43: Meine Generation wuchs noch mit Sätzen auf wie ein junge Weintnicht.
00:00:49: Das ist Gott sei Dank Vergangenheit.
00:00:52: Ja man will es heute sogar sehen wenn Verlierer aus Trauer- und Gewinner aus Freude.
00:00:57: weinen Zum weinen isst uns in ganz verschiedenen Situationen Wenn wir traurig sind, enttäuscht voller Wut.
00:01:09: Wenn wir verzweifelt sind, krank, voller Angst.
00:01:14: Die heutige Losung aus psalm forty-two weiß davon Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht weil man täglich zu mir sagt wo ist nun dein Gott?
00:01:38: Vermutlich können die meisten von uns in diese Worte einstimmen.
00:01:44: Ich stelle mir vor, wie es dem Beter der Beterin gegangen ist.
00:01:52: Vielleicht ist sein Kind gestorben?
00:01:55: Vielleicht wurde sie verleumdet?
00:01:59: Vielleicht hat er seinen Besitz verloren?
00:02:03: Vielleicht ist sie krank geworden – wir wissen es nicht!
00:02:07: Zu einem Leid kommt noch Spott der anderen dazu.
00:02:11: Wo ist nun dein
00:02:12: Gott?!
00:02:14: Wenn dein Gott existierte, würde er dich retten und schützen.
00:02:20: Der Beter muss sich auch noch verteidigen, dass für ihn Gott wichtig ist.
00:02:27: Wenn es einen Gott gäbe, wurdest du nicht leiden?
00:02:30: Er kann doch alles!
00:02:32: Warum macht er dir dein Leben nicht schön?
00:02:35: So höre ich die Leute reden.
00:02:39: Wenn Gott allmächtig wäre, dürfte es kein Leid auf der Welt geben – so denken auch heute
00:02:45: viele.".
00:02:47: Das leidt als negativer Gottesbeweis.
00:02:52: Und sie fragen womöglich nach einem positiven Gottesbeweiss, was ist darüber nicht geschrieben, gestritten, diskutiert worden?
00:03:04: Meine Antwort darauf – Gott muss sich nicht beweisen!
00:03:09: Gott isst Gott, sonst wäre Gott nicht Gott.
00:03:16: Er isst über allen und
00:03:18: allem.".
00:03:20: Und wir können ihn nicht und nie begreifen.
00:03:24: Wir können göttliche Zeichen erleben, ja aber in Begreifen werden wir wohl nicht vielleicht einmal ganz am Ende unserer Tage.
00:03:39: mag sein!
00:03:42: Meine Tränen sind meine Speisetag-und Nacht.
00:03:46: Gott kennt ja selbst Träne und Schmerz Und betet selbst Psalm, zweiundzwanzig.
00:03:55: Warum?
00:03:59: Die Offenbarung Gottes in der Ohnmacht ist für mich so oft ein Trost gewesen.
00:04:05: Gott gibt sich in alle menschlichen Leiden hinein.
00:04:10: Zu ihm kann ich deshalb rufen wie damals die Beterin Das kann entlastend sein.
00:04:20: Rilke drückt dies so aus.
00:04:23: Ich habe diese Nacht einsam hingebracht.
00:04:27: Und ich habe schließlich die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher in denen man sich restlos unterbringt mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein mögen sie sich heute auch in einem der psalmen unterbringen.
00:04:53: haben Sie einen guten tag Ihre Hildegard Renovens, Kurzmacher Pfarrerin im Ruhestand aus Gomaringen.
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