26 08 10 Susanne Fleischer
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00:00:00: Herzlich willkommen zur Tübingertageslosung, liebe Zuhörerinnen und Lieberzuhörern.
00:00:05: Schön dass Sie heute dabei sind!
00:00:07: Vielleicht kennen sie diese Liedzeilen.
00:00:10: Lobet den Herren der alles so herrlich regiert.
00:00:14: oder aus einem anderen Lied.
00:00:16: Gott sitzt im Regimente und führe alles wohl.
00:00:21: Ja das ist ein Bild von Gott, das in unserer Jahrhunderte, Jahrtausende alten Tradition sehr bekannt ist.
00:00:28: Gott als König als Herrscher, der alles Geschehen vom Himmel aus steuert.
00:00:35: Die heutige Tageslosung gehört wohl an den Ursprungen dieser Vorstellung – sie steht in Psalm onehundert drei Vers neunzehn und lautet «der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet und sein Reich herrscht über Alles».
00:00:52: Ehrlich gesagt ein bisschen mulmig ist mir schon bei diesem Bild.
00:00:56: Nicht nur, dass der Thron nicht mehr so richtig in meine Lebenswelt passt und für mich eher ins Reich der Märchen oder Netflix-Serien gehört.
00:01:07: Einen richtigen Thron gesehen habe ich nur mal im Schlossmuseum und über Leute die darauf sitzen lese ich in der Zeitschrift beim Friseur.
00:01:17: Ist das noch eine zeitgemäße Vorstellung von Gott?
00:01:21: Ausdrücken will diese Vorstellung jedenfalls, dass Gott mächtig ist!
00:01:26: sogar allmächtig, höher als der Himmel geht nicht und sein Reich herrscht über alles.
00:01:34: Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen – so sagen wir das ja auch im Glaubensbekenntnis – aber Gottes Allmacht führt viele Christinnen und Christen immer wieder auch in schwere Glaubenzzweifel!
00:01:49: Wenn Gott allmächzig ist, warum verhindert er nicht die Kriege, die wir auf der Welt sehen?
00:01:56: Warum lässt Gott das Leiden zu?
00:01:59: Warum führt Gott uns Menschen nicht einen besseren Weg, warum lässt er es zu, dass wir so oft gegen seinen ausdrücklichen Willen verstoßen.
00:02:10: Auch die Menschen der Bibel haben schon mit diesen Fragen gerungen – Es sind große und schwere Fragen für alle, die glauben!
00:02:18: Aber vielleicht ist Gottes Allmacht eben eine andere Art von Macht als die, die wir üblicherweise mit Königen, Herrschern und Thronen verbinden.
00:02:31: Ja?
00:02:32: Vielleicht hat sich Gott radikal entschieden für eine Macht, die oft auch schwach daherkommt – die durchaus mal den Kürzeren ziehen kann, weil sie ihrem Gegenüber jede Freiheit einräumt!
00:02:46: Eine Macht, Die wie Paradox manchmal sogar ohnmächtig ist.
00:02:51: Das ist die Macht der Liebe.
00:02:54: Die Liebe erträgt alles.
00:02:56: Sie glaubt Alles, sie hofft alles, sie duldet alles!
00:03:01: Die Liebe hört nimmer auf, schreibt Paulus über sie, dass in der Liebe die wahre Macht
00:03:08: liegt.".
00:03:09: Das ist in der Bibel offensichtlich keine Tatsachenbeschreibung sondern ein Hoffnungssatz und es ist eine große Kritik an allen Herrschenden und allen Machtverhältnissen, in denen es an Liebe mangelt.
00:03:25: Die auf Manipulation unter Drückung und Gewalt setzen!
00:03:29: Wenn die Liebe auf dem Thronsäße und Herrschen würde, dann wäre es damit zu Ende.
00:03:35: Wäre das denn nicht ein Grund zum Jubeln, zum Dank-und zur ewigen Freude?
00:03:41: Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet und sein Reich herrscht über
00:03:46: alles.".
00:03:48: Ich wünsche Ihnen einen Tag mit viel Liebe.
00:03:52: Ihre Pfarrerin Susanne Fleischer aus Kusterdingen!
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