26 09 19 Peter Rostan

Shownotes

Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen zu Tübinger Telefonandacht.

00:00:02: Schön, dass Sie mir zuhören!

00:00:05: Heute vor genau forty- vier Jahren, also am neunzehnten September, da geschah etwas ziemlich Unscheinbares.

00:00:13: und doch hat es unsere Art zu Schreiben verändert?

00:00:17: Der amerikanische Informatiker Scott Forman schlug nämlich vor auf der Computertastatur drei Zeichen miteinander zu verbinden – den Doppelpunkt, den Windestrich und die Klammer.

00:00:30: Und wenn man dann den Kopf ein wenig zur Seite legt, sieht man ein lachendes Gesicht.

00:00:36: Der Smiley war geboren – eine kleine Emotionsgrafik aus Tastaturzeichen.

00:00:44: Nun heute können wir uns vor solchen Zeichen kaum noch retten!

00:00:46: Aus dem einfachen Smiley sind unzählige Emojis geworden – lachende, weinende, staunende und auch wütende Gesichter.

00:00:55: Offenbar reicht es uns Menschen nicht nur Informationen auszutauschen Wir wollen auch zeigen, was wir dabei empfinden.

00:01:04: Gefühle gehören nun mal dazu!

00:01:07: Ich finde es spannend – Auch die Bibel spricht von Gott nicht als einem gefühlosen Wesen.

00:01:14: Im heutigen Losungswort aus Jesaja siebenfünfzig sagt Gott ich will nicht immer da hadern und nicht ewiglich zürnen Hadern?

00:01:25: Richtig altes Wort ist das.

00:01:27: Gemeint ist ein anhaltender Streit Ein Ringen mit jemandem, ein Vorwurf der zwischen zwei Seiten steht und nicht einfach verschwindet.

00:01:36: Und den Sonn, den kennen wir!

00:01:39: Da kocht etwas in uns hoch, da ist was geschehen das wir nicht einfach hinnehmen können... ...und tatsächlich so spricht die Bibel von Gott.

00:01:49: Gott hadert, Gott is zommig, Gott hat Gefühle.

00:01:55: Viele Menschen haben sich damit schwergetan.

00:01:58: In der Geistesgeschichte gab es immer wieder die Vorstellung, Gott muss doch der ewig Unveränderliche sein.

00:02:06: In sich ruend unberührt von dem was auf dieser Welt geschieht.

00:02:11: Der unbewegte Beweger heißt das auch, der Höchste eben, der über allem steht.

00:02:17: Aber der Gott der Bibel ist anders.

00:02:21: Ihm ist nicht gleichgültig, was Menschen tun.

00:02:23: Er sieht Unrecht und Habgier.

00:02:25: Sieht wenn Verantwortliche ihre Verantwortung nicht wahrnehmen.

00:02:29: Er sieht wenn Menschen die andere schützen sollten vor allem an sich selbst denken.

00:02:34: Und das lässt ihn alles nicht kalt!

00:02:38: Ich finde das tröstlich.

00:02:40: ich möchte gar keinen Gott dem Alles Gleichgüiltige ist ein Gott der angesichts von Unrecht nur ruhig zuschaut.

00:02:48: Und noch etwas finde ich so hilfreich, wenn die Bibel so offen von Gottes Gefühlen spricht.

00:02:55: Dann darf ich auch meine Gefühle ernst nehmen!

00:02:59: Auch die Unangenehmen – auch den Ärger, die Traurigkeit, die Enttäuschung ja vielleicht sogar auch mal den Zorn.

00:03:07: Manchmal wurde uns beigebracht solchen Gefühl lieber nicht zu trauen.

00:03:13: Gefühler können ja schließlich wechseln Und negative Gefühle können uns tatsächlich zu Dingen verleiten, die nicht gut sind.

00:03:21: Das stimmt alles!

00:03:23: Aber Gefühl einfach auszuklammern sie wegzudrücken ist auch keine gute Lösung.

00:03:30: Wer seine negativen Gefühlen nicht wahrhaben darf tut sich dann oft mit den schönen Gefühl schwer.

00:03:38: Deshalb gefällt mir dieser Satz aus Jesaja.

00:03:42: Denn Gott sagt ja nicht nur ich hadere Ich bin zornig Er sagt auch, ich will nicht immer da hadern und nicht ewiglich zürnen.

00:03:53: Der Zorn hat bei Gott also nicht das letzte Wort!

00:03:56: Er bleibt nicht darin stecken.

00:03:58: Sein Ziel ist nicht die Abrechnung sondern die Versöhnung.

00:04:03: Und wenige Ferse später heißt es Ich habe seine Wege gesehen aber ich will ihn heilen und ihn leiten.

00:04:12: Vielleicht kann ich heute genau das von Gott lernen meine Gefühle wahrzunehmen und sie auszusprechen, mich zu fragen was mich eigentlich ärgert und warum.

00:04:22: Und dann auch zu verstehen was Gott zornig macht Aber eben auch nicht immer da daran festzuhalten Nicht jeden Ärger über Tage und Wochen mit mir herumzutragen Nicht jedem alten Streit immer wieder hervorzuholen.

00:04:40: Gott hat Gefühlen aber seine Gefühler haben nicht das letzte Wort bei ihm.

00:04:46: Das letzte Wort hat seine Liebe und so wünsche ich Ihnen einen gesegneten Samstag.

00:04:54: Ihr Peter Rostan aus Gomeringen.

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