26 10 03 Peter Rostan
Shownotes
Im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine (bekannt auch durch den Herrnhuter Weihnachtsstern) findet sich täglich neu ein Bibelwort als Hilfe und Inspiration für die Tag. Die alttestamentlichen Texte werden ausgelost, die neutestamentlichen Ergänzungen durch ein Redaktionsteam hinzugefügt.
Die Autorinnen und Autoren gestalten ihre Andachten als Ergänzung zur Lektüre des Losungsbuches. Sie stehen aber auch für sich, können also auch ohne das Losungsbuch gehört werden.
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00:00:00: Seien Sie herzlich willkommen zur Tübinger Telefonantrag, heute am dritten Oktober dem Tag der Deutschen Einheit.
00:00:07: Was hält eigentlich ein Land zusammen?
00:00:09: Was bringt Menschen zusammen die ganz unterschiedlich denken, leben, glauben und wählen?
00:00:15: Nun eine Religion kann das jedenfalls nicht leisten wenn sie sich mit einem Volk oder einer Nation verbündet und daraus einen besonderen Anspruch ableitet.
00:00:25: Wir brauchen keine nationale Religion Und erst recht keine Stammesreligion.
00:00:31: Und wohin das führen kann, haben wir in unserer deutschen Geschichte erlebt.
00:00:34: Die sogenannten Deutschen Christen wollten in der Zeit des Nationalsozialismus den christlichen Glauben dem Denken von Volk und Rasse unterordnen und aus dem Glaubem an Christus sollte eine Religion des deutschen Volkes werden.
00:00:50: Klar!
00:00:50: Das ist ein Irrweg.
00:00:52: Unser Zusammenhalt gelingt nicht durch eine Gott mit uns Religion Und schon gar nicht durch die Wahnvorstellung, dass eigene Volke oder die eigene Herkunft mache einen Menschen vor Gott wertvoller als einen anderen.
00:01:08: Und doch bin ich überzeugt der Glaube kann Menschen zusammenbringen und vielleicht gerade deshalb weil er uns daran erinnert das es etwas Größeres gibt als uns selbst.
00:01:19: Egoismus, egocentrik können kleiner werden wenn Menschen sich vor Gott beugen Wenn wir ein Gespür dafür bekommen, ich bin eben nicht nur das was ich persönlich darstelle und leiste.
00:01:32: Und auch meine Familie, meine Herkunft, mein Volk – sie sind nicht das Maß aller Dinge!
00:01:38: Vor Gott stehen wir gemeinsam als seine Geschöpfel.
00:01:42: Als seine Kinder.
00:01:43: Und als Christen dürfen wir sagen Wir sind Brüder und Schwestern.
00:01:47: Kinder des selben himmlischen Vaters.
00:01:51: Vor den Sommerferien durfte ich an einer Fortbildung in Sachsen-Anhalt teilnehmen, zusammen mit Fahrern und Pfarrerinnen aus der dortigen Gegend.
00:01:59: Natürlich war in unseren Gesprächen schon die Sorge deutlich zu spüren wohin denn sich unsere Gesellschaft entwickelt?
00:02:06: Und was geschieht wenn Menschen wieder danach sonst sortiert werden welchen Nachnamen sie tragen wo ihre Eltern geboren wurden oder woher überhaupt ihre Familie kommt?
00:02:18: Natürlich gibt es gute Gründe über eine besser gesteuerte Migration zu sprechen, und das sollten wir auch.
00:02:24: Deutschland kann nicht jeden Menschen aufnehmen – und das Elend der Welt lässt sich nicht durch maßlose Einwanderung lösen!
00:02:32: Aber als Christen haben wir noch eine andere Perspektive.
00:02:36: Wir sehen im anderen zuerst einen Menschen, der wie wir Geschöpf Gottes ist….
00:02:43: Herkunft und Sprache, ja und wohl auch Nationalität.
00:02:47: Sie bleiben wichtig!
00:02:49: Sie entscheiden aber nicht über den Wert eines Menschen.
00:02:53: Und vielleicht entsteht genau hier eine tiefere Form von Einheit – eine große internationale Familie die mehr miteinander verbindet als unsere üblichen Sortierkriterien erkennen lassen?
00:03:07: Und an diesem dritten Oktober kommt noch etwas Interessantes hinzu... Im jüdischen Kalender ist heute Schmini Azaret.
00:03:17: Mit dem Abend beginnt dann in der Diaspora Simchat Torah, das Fest der Freude an der Torah.
00:03:25: Ich durfte dieses Simchat-Torah, dieses Fest einmal miterleben!
00:03:29: In der Synagoge wird getanzt – die Torarrollen werden von einem zum anderen weitergereicht.
00:03:34: Liebevoll werden sie im Arm gehalten.
00:03:37: Fast wie ein Baby, dass man ihn nicht
00:03:39: wiegt.".
00:03:40: Und darin steckt was ganz Wunderbares, die Freude Israels darüber das Gott nicht geschwiegen hat.
00:03:46: Dass er gesprochen hat, dass er Moser am Sinai seine Weisungen gegeben hat und dieses Wort Israel durch die Geschichte nun begleitet.
00:03:57: Ja!
00:03:58: Und auch das schafft Einheit.
00:04:00: Menschen hören gemeinsam auf ein Wort, das größer ist als sie selbst.
00:04:06: Die zehn Gebote beginnen mit dem Satz Ich bin der Herr dein Gott Und dann folgen Weisungen, die das Zusammenleben schützen.
00:04:14: Das Leben des Anderen – seine Ehe, seinen Besitz, seinen guten Ruf!
00:04:21: Gottes Gebot zieht also meinem Egoismus Grenzen und öffnet mir zugleich auch den Blick für den anderen.
00:04:29: Vielleicht ist es ein guter Gedanke gerade für den Tag der Deutschen Einheit?
00:04:34: Eine Gesellschaft hält auf Dauer nicht zusammen weil ihre Menschen denselben Pass besitzen.
00:04:40: Sie brauchen etwas was über den Einzelnen hinausweist.
00:04:45: Sie brauchen Verantwortung füreinander, Achtung vor dem anderen ja auch die Bereitschaft sich selbst nicht zum Maß aller Dinge zu machen.
00:04:55: und wir als Christen dürfen hinzufügen Über uns allen steht der eine Gott und vor ihm wird der andere zu meinen Mitmenschen Und aus Fremden können so auch Geschwister werden.
00:05:09: So grüße ich sie heute mit einem herzlichen Glückwunsch zum Tag der Deutschen Einheit Und schon im Blick auf das jüdische Freutenfest mit dem hebräischen Gruß Chaksameach, ein frohes gesegnetes Fest.
00:05:23: Ihr Peter Rostan aus Gomeringen.
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